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2. Folge: „Wie der Heilige Trudpert seinen Glanz verliert“

Erforderliche Maßnahme: Firnisabnahme


Die Oberfläche des Gemäldes „St. Trudpert und sein Kloster“ ist mit einem Firnis überzogen, der sich im Lauf der Zeit stark verändert hat. Unter Firnis versteht man einen transparenten Überzug, der die Malschicht eines Gemäldes vor schädigenden Umwelteinflüssen wie Luftverschmutzung, Lichteinstrahlung oder mechanischer Beanspruchung schützt. Darüber hinaus nimmt er Einfluss auf das ästhetische Erscheinungsbild: Er verleiht der Malerei Glanz und Tiefenlicht und steigert die Leuchtkraft der Farben.

Abb. 7 Gemälde während der Firnisabnahme. Ohne vergilbten glänzenden Firnis wirkt die Oberfläche matt.
Web-Dokumentation Der vorliegende Firnis glänzt stark und ist bereits vergilbt. Dies führt dazu, dass die Darstellung aufgrund der starken Reflektion nur schwer erkennbar ist und die eigentliche Farbgebung der Malerei nicht mehr richtig wahrgenommen werden kann. Daher wurde aus konservatorischen und restauratorischen Gründen entschieden, den Firnis von der Gemäldeoberfläche abzunehmen (Vergleich vor und nach der Firnisabnahme siehe Abb. 7).

Generell ist dafür Lösungsmittel notwendig, das den Firnisfilm anlöst. Je nach Firnisart müssen polare oder unpolare Lösungsmittel eingesetzt werden. Ein in Lösungsmittel getränktes Wattestäbchen wird über die Gemäldeoberfläche gerollt, wodurch sich der Firnis anlöst und gleichzeitig abgenommen werden kann.

1. Arbeitsschritt: Auftragen des Lösungsmittels

Aufgrund des besonders dicken Firnisfilms hätte die konventionelle Methode ein zu häufiges Rollen und Reiben auf der Oberfläche erfordert. Deshalb wurde für die Abnahme eine Methode mit angedicktem Lösungsmittel in Gelform und Japanpapier als Zwischenlage gewählt.

Wie auf Abb. 8 zu sehen ist, wird zunächst ein Japanpapierstück (5 x 3 cm) auf die Gemäldeoberfläche gelegt, auf das anschließend das Lösungsmittelgel mit Hilfe eines kleinen Spatels aufgetragen wird. Aufgrund der Gelform verdunstet das Lösungsmittel sehr langsam und kann konzentriert an der Grenzfläche zum Firnis seine lösende Wirkung erzielen.

2. Arbeitsschritt: Abnahme des Firnis und früherer Retuschen

Nach einigen Sekunden Einwirkzeit wird das Gel zusammen mit dem Japanpapier von der Oberfläche abgenommen (Abb. 9) und der angelöste Firnis mit einem im selben Medium getränkten Wattestäbchen abgerollt (Abb. 10). Mit diesem Verfahren wird der Firnis von der gesamten Gemäldeoberfläche entfernt.

Abb. 8 Japanpapier mit aufgetragenem Lösungsmittelgel
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Abb. 9 Mit Hilfe einer Pinzette wird nach einigen Sekunden das Japanpapier abgenommen
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Abb. 10 Der angelöste Firnis wird mit einem in Lösungsmittel getränkten Wattestäbenchen abgenommen
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Abb. 11 Nach Abnahme des Firnis
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Zu Beginn der Restaurierung wurden unter der Firnisschicht an einigen Stellen großflächige Retuschen festgestellt, die von früheren Restaurierungsmaßnahmen stammen und beschädigte Bereiche in der Malerei verdecken sollten. Mit diesen Retuschen wurde jedoch auch die angrenzende Malerei „großzügig“ übermalt und somit die originale Darstellung verändert. Daher wurde entschieden, die Retuschen ebenfalls von der Gemäldeoberfläche abzunehmen.

Abb. 12 Detail ‚Klostergarten’ mit großflächig übermalter Klostermauer und Retuschenabnahme im linken Bildbereich. Unter der entfernten Retusche wird alte Kittung sichtbar
Web-Dokumentation Dies erfolgt parallel zur Abnahme des Firnis, bei der sich die Retuschen anlösen und somit im gleichen Zug entfernt werden können (Abb. 12).

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In der nächste Folge geht es „Von Scholle zu Scholle“...


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