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5. Folge: „Mit Spatel und Skalpell“

Erforderliche Maßnahme: Kittungen entfernen, neu aufbringen und strukturieren


Wie in Folge 4 bereits angedeutet, war es im Zuge der Restaurierung erforderlich, alte Kittungen zu entfernen. Ausschlaggebend dafür waren die unregelmäßige Oberflächenstruktur der Malschicht, die zum Teil nicht mehr ausreichende Haftung zum Bildträger und die großzügige Überkittung originaler Malerei in einigen Bildbereichen. Die durch die Abnahme entstandenen Fehlstellen in der Malerei mussten in einem weiteren Arbeitsschritt wieder mit neuer Kittmasse geschlossen werden, um einem Verlust der angrenzenden Bildschicht vorzubeugen.


1. Arbeitsschritt: Entfernen alter Kittungen


Auf Abb. 22 zeigen sich nach der Abnahme von Firnis und Übermalungen alte Kittungen in unterschiedlicher Farbigkeit. Sie sind vor allem im unteren Gemäldebereich zu finden. Mit Hilfe eines Skalpells wird der Großteil dieser alten Kittmasse mechanisch entfernt. Diese Maßnahme erfordert besondere Sorgfalt, um angrenzende originale Bildschichtschollen nicht zu beschädigen. Abb. 23 zeigt den gleichen Bildausschnitt nach Entnahme der alten Kittungen.

Abb. 22 Detail 'Klosteranlage' mit freigelegten Kittungen
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Abb. 23 Die Kittungen wurden sorgfältig entfernt
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2. Arbeitsschritt: Leimen und Kitten


Für das Aufkitten der freigelegten Leinwandbereiche wird ein Leim-Kreide-Kitt verwendet. Als Bindemittel dient wässriger Glutinleim, als Füllstoff kommt eine Mischung aus Bologneser- und Champagnerkreide zum Einsatz.

Bevor die Fehlstellen wieder mit einer Kittmasse geschlossen werden können, ist es notwendig, die Leinwand zu leimen. Dadurch wird eine ausreichende Haftung der Kittmasse auf der Leinwand erzielt. Als Leim dient ebenfalls wässriger Glutinleim; ein höherer Prozentsatz an Leim sorgt für ausreichende Klebkraft zwischen Kittmasse und Leinwand.


Abb. 24 Aufstreichen der Kittmasse mit Hilfe eines Spatels
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Die Kittmasse wird mit Hilfe eines kleinen Spatels eingebracht (Abb. 24) und nach ihrer Trocknung vorsichtig glatt geschliffen, ohne die angrenzende Malerei zu beschädigen.





3. Arbeitsschritt: Strukturieren der neuen Kittungen

Die Malschicht des Gemäldes weist altersbedingte Risse auf, die sich zu einem „Alterssprungnetz“ verbinden. Die Risse werden auch „Craquelé“ oder „Krakelur“ genannt und lassen die Oberflächenstruktur des Gemäldes unregelmäßig erscheinen. Dieses Schadensbild kann im Rahmen der vorliegenden Restaurierung nicht behoben werden. Es macht daher eine Strukturierung der neu eingebrachten Kittungen notwendig, um ein einheitliches Gesamterscheinungsbild zu erhalten.

Mit Hilfe eines Skalpells werden Linien in die neuen Kittungen geritzt, die sich im weiteren Verlauf mit den angrenzenden Alterssprüngen verbinden und so ein künstliches Craquelé darstellen (Abb. 25). Auf diese Weise wird das bestehende Alterssprungnetz vervollständigt und das Gesamterscheinungsbild gewahrt. Abb. 26 zeigt die fertige Kittung mit neuem Craquelé.

Abb 25 Mit einem Skalpell wird künstliche Craquelé in die Kittung eingeritzt
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Abb. 26 Detail 'Klosteranlage' mit neuer Kittung und künstlichem Craquelè
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In der nächsten Folge gibt es „Noch mehr neue Leinwand“ für das Gemälde!


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