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750 Jahre Karsau – Im Dreiländermuseum ist die 500 Jahre alte ‚Karsauer Madonna‘ zu bewundern

Lörrach, 2. Oktober 2019

Die Karsauer Madonna zählt zu den wertvollsten Sammlungsstücken des Dreiländermuseums. Doch diese Bezeichnung stiftet Verwirrung.


Die sogenannte Karsauer Madonna stand bis 1909 in einer Außennische des Karsauer Schulhauses, weshalb ihre heutige in der Kunstgeschichte bekannte Bezeichnung auf diesen Ort verweist.
Die Bezeichnung Karsauer Madonna ist etwas problematisch, denn es existiert eine weitere als Karsauer Madonna benannte Skulptur: ein Werk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Rheinfelden, das vor ein paar Jahren aufwendig restauriert und 2016 erstmals im Rheinfelder Stadtmuseum ausgestellt wurde. Zählt man dann noch die als Dinkelberger Madonna bezeichnete, von Ruß geschwärzte „Schwarze Madonna“ hinzu, die sich ebenfalls im Sammlungsbesitz des Dreiländermuseums befindet, wird es kompliziert. Warum gibt es gleich zwei beziehungsweise drei so bedeutende Madonnen-Skulpturen, die in Bezug zu Karsau stehen? Die naheliegende Erklärung liegt in der ehemaligen Deutschordenskommende Beuggen, unweit von Karsau: die heutige Schlosskirche hatte mehrere Vorgängerbauten. Darunter eine gotische Kirche im 15. Jahrhundert, von der es keine architektonischen, jedoch schriftliche Zeugnisse gibt. Für diese Kirche könnte die Madonna vom Deutschherrenorden in Auftrag gegeben worden sein. Auch die barocke zweite Karsauer Madonna ist dem Umfeld von Schloss Beuggen zuzuordnen.
Die Karsauer Madonna aus der Sammlung des Dreiländermuseums ist derzeit in der Rötteln-Ausstellung zu sehen. Foto: Dreiländermuseum
Die knapp anderthalb Meter hohe, aus Lindenholz geschnitzte Lörracher Skulptur zeigt den Typus einer Mondsichelmadonna. Diese Darstellungsform ist weit verbreitet und beruht auf einer Passage aus der Johannesoffenbarung: Maria steht auf einer Mondsichel, trägt das Jesuskind auf dem rechten Arm und eine (Erd-)Kugel in ihrer linken Hand. Ihr langes Gewand fällt in kunstvoll drapierten Falten herab, formt ein spitz nach unten zulaufendes Dreieck und umhüllt ihre Figur schalenartig. Mutter und Kind haben zarte Gesichtszüge und eine helle Haut. Die Mutter Gottes trägt eine goldene Krone, welche sie als Himmelskönigin ausweist, und langes Haar, das in fein ausgearbeiteten Locken weit über ihre Schultern reicht. Stilistisch ist sie spätgotisch in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts einzuordnen und wurde wahrscheinlich in einer oberrheinischen Werkstatt gefertigt. Auch eine Herkunft aus dem Bodenseeraum oder Basel ist denkbar, zeigen doch regionale Vergleichsbeispiele viele Ähnlichkeiten. Sogar eine Inspiration aus dem Umkreis des Veit Stoß ist nicht auszuschließen.
Diese Beispiele herausragender Madonnen-Skulpturen sind ein schönes Zeugnis der 750-jährigen Karsauer Geschichte und leisten einen wichtigen Beitrag zur Kunstgeschichte unserer Region.
Die Karsauer Madonna aus Lörrach hat große Aufmerksamkeit verdient, nicht nur aufgrund ihres Alters. Ihre hohe bildhauerische Qualität und die in Teilen erhaltene mittelalterliche Bemalung zeichnen sie besonders aus. Außerdem stellt der Typus der Mondsichelmadonna eine in der Region häufig anzutreffende Form dar, die unser Bild einer Madonna mit Kind maßgeblich geprägt hat. Die Skulptur ist noch bis 17. November in der Rötteln-Ausstellung zu sehen, danach zieht sie wieder an ihren angestammten Platz neben die Dinkelberger Madonna in der Dauerausstellung des Dreiländermuseums.

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