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Große Museumstagung in Polen beschäftigt sich mit dem Dreiländermuseum und seiner grenzüberschreitenden Zusammenarbeit

Kattowitz/Lörrach, 11. Oktober 2019

Das Dreiländermuseum ist Thema einer großen Konferenz im Schlesischen Museum Kattowitz, einem der bedeutendsten Museen Polens. Es geht um die Frage, wie Museen mit der Geschichte von Grenzregionen umgehen können. Die Kollegen aus Kattowitz haben Museumsleiter Markus Moehring gebeten, über die Erfahrungen des Dreiländermuseums und seine Netzwerke am Oberrhein zu berichten. Unter der aktuellen Regierung von Polen sind die auf der Tagung diskutierten Themen von einiger Brisanz.



Das Muzeum Śląskie (Schlesisches Museum) in Katowice, deutsch Kattowitz, gehört zu den bedeutendsten Museen in Polen und hat eine wechselhafte Geschichte. Vor 90 Jahren von Polen zur Untermauerung seines Anspruch auf Schlesien gegründet, wurde es von den Nationalsozialisten zerstört und nach dem Zweiten Weltkrieg wiedergegründet. Der repräsentative Neubau ist von nationaler Bedeutung und kostete 324 Zloty. Er wurde 2014 abgeschlossen und umfasst 7 Stockwerke, die wichtigsten 3 davon unter der Erde. Umstritten ist angesichts der aktuellen politischen Situation in Polen, wie stark sich das Museum der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und der deutschen Geschichte Schlesiens widmen sollte. Vor diesem Hintergrund ist die dreitägige Konferenz vom 16. bis 18. Oktober zum Thema „Grenzgebiete“ ein deutliches Statement des Museums und der Versuch zu einer öffentlichen Diskussion.
1. 2014 eröffnet: Schlesisches Museum Kattowitz
Zur Tagung anlässlich des 90. Geburtstags des Museums kommen zahlreiche Museumsexperten und Universitätsprofessoren aus ganz Polen zusammen. Dem Museum war es wichtig, der Diskussion auch einen Impuls von außen zu geben. Deshalb war es bei Museumsleiter Markus Moehring darum, dass er zumindest an einem Teil der Tagung teilnimmt und ein einleitendes Referat zur Konferenz am 16.10. übernimmt. Thema ist das Dreiländermuseum, das auch aus polnischer Sicht das wichtigste Museum in Europa mit einer grenzüberschreitenden Ausrichtung ist und eine langjährige Erfahrung in der Organisation einer trinationalen Zusammenarbeit besitzt. Thema ist auch der Umgang mit dem Thema „Vertreibung der Deutschen aus dem Elsass 1918“ beim Projekt „Zeitenwende 1918/19“, als das Dreiländermuseum und Partnermuseen im Elsass das Thema erstmals öffentlich thematisierten. Diese Vertreibung nahm vielfach vorweg, wie später Deutsche aus Polen vertrieben wurden. Den zweiten Impuls von außen bietet ein Museumskollege aus Belfast über Kooperationen im Konfliktgebiet von Nordirland.

In Polen hat die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bislang keine große Tradition und Personen, die diese vorantreiben, stehen bisweilen in der Kritik konservativer Kreise. Vor diesem Hintergrund ist ein objektiver Umgang mit der Geschichte Schlesiens nicht leicht. Auch die derzeitige polnische Regierung sieht es lieber, wenn deren deutsche Wurzeln tabuisiert werden. Vor diesem Hintergrund hofft Museumsleiter Markus Moehring, mit seinen Erfahrungen vom Oberrhein den polnischen Kollegen im Schlesischen Museum Kattowitz Mut machen zu können und die Kräfte zu stärken, die sich dafür einsetzen, auch schwierige Themen offen anzugehen und aus verschiedenen nationalen Blickwinkeln zu betrachten.

Website Schlesisches Museum Kattowitz: https://muzeumslaskie.pl

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