Jahrestreffen

Vollversammlungen und Geschichtskolloquien

Jedes zweite Jahr im Wechsel

Matthaeus-Merian-Kupferstich-von-Roetteln

Alle zwei Jahre treffen sich Vertreter der Geschichtsvereine am Oberrhein zu einer Vollversammlung. Hier werden grundlegende Fragen der Zusammenarbeit und konkrete gemeinsame Projekte diskutiert und beschlossen. Die Vollversammlungen finden in deutscher und französischer Sprache statt. Der Tagungsort wechselt und berücksichtigt in einem festen Turnus alle 3 Länder.

Die Vollversammlung bestimmt außerdem ein Comité trinational. Dieses besteht aus Vertretern von Geschichtsvereinen der 3 Länder. Das Comité koordiniert die Zusammenarbeit in der Zeit zwischen den Versammlungen und lädt jeweils zur Vollversammlung mit dem gastgebenden Geschichtsverein ein.

In den Jahren zwischen den Vollversammlungen werden regelmäßig Geschichtskolloquien veranstaltet mit spannenden Referaten und Vorträgen. Die Teilnahme an den Kolloquien ist kostenlos und offen für alle.

Jahrestreffen

Das grenzüberschreitende Netzwerk-Kolloquium fand am 12.11.2022 in Lörrach statt. Die Teilnahme war wie immer kostenlos und offen für alle.

Spannende Vorträge standen auf dem Programm

  • Dr. Bertram Jenisch, Freiburg: Flutkatastrophen und Hochwasserschutz. Archäologische Belege von Hoch- und Oberrhein
  • Dr. Jean Marie Balliet, Colmar, Das Fort Mortier, ein Bindeglied zwischen Alt- und Neubreisach (Le fort Mortier, un trait d’union entre le Vieux- et le Neuf-Brisach)
  • Dr. Werner Transier, So strahlen die Ufer des Rheins – Die Rheingolddukaten der Kurpfalz und Bayerns (1674-1863).
  • Dominik Wunderlin, Basel, Die Transformation des Fischerdorfes Kleinhüningen in Basels“Hafenstadt“
  • Prof. Dr. Christian Führer, Mannheim: Rendezvous am Rhein – Frankreichs Militär in der Pfalz 1945 – 1999
  • Ariane Dannacher, Laufenburg (CH), Rote Fluh und Laufenstein Was geschah mit
    den zwei gefährlichsten Laufenburger Felsen im Rhein?
    Ariane Dannacher, Laufenburg (CH), Rote Fluh und Laufenstein Was geschah mit den zwei gefährlichsten Laufenburger Felsen im Rhein?

 

Im Anschluss gab es für Interessierte noch eine Führung durch die Sonderausstellung „Der Rhein“ auf Deutsch oder Französisch. Die Ausstellung bietet zugleich einen Überblick über die Themen des bislang größten grenzüberschreitenden Kulturprojektes zum Rhein mit 38 Ausstellungen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. 

Die Badische Zeitung berichtete über das Kolloquium.

Nachdem infolge der Pandemie die für Oktober 2020 geplante Netzwerk-Versammlung abgesagt werden musste, fand am 16. Oktober 2021 die Vollversammmlulng des Netzwerks Geschichtsvereine im Coop-Tagungszentrum Freidorf in Muttenz statt.

Neben den Regularien wie die Wahl der Mitglieder des Comité trinational standen auch ein Vortrag von Dr. phil. Matthias Möller, Universität Freiburg i. Br. über „Freidorf – Die Genossenschaftssiedlung vor der grossen Stadt“ sowie ein Besuch des Freidorfs und der Muttenzer St.-Arbogast-Kirche auf dem Programm.

Zudem stellten Geschichtsvereine verschiedene Projekte vor:

  • die Feministische Geschichtswerkstatt Freiburg e.V. (www.femwerkstatt.de)
  • Verein Basler Geschichte (www.stadtgeschichtebasel.ch)
  • Arbeitskreis Geschichte Rheinfelden/Baden
  • Historischer Verein für Mittelbaden e. V. (www.historischer-verein-mittelbaden.de)
  • Sabine Kubli Fürst („Gleichstellung & Kultur“ Basel, Mitglied der Gesellschaft für Regionale Kulturgeschichte BL und der Stiftung Museen BL) stellte ein eben erschienenes Buch über die Avantgardekünstlerin Ré Soupault (1901–1996) vor, die von 1948 bis 1958 in Basel lebte und eine geschätzte Radiomitarbeiterin wurde.

 

Einen ausführlichen Bericht zur Vollversammlung können Sie hier downloaden.

Am Samstag, 19. Oktober veranstaltete die Fédération des Sociétés d’Histoire et d’Archéologie d’Alsace in Zusammenarbeit mit den Amis de la Bibliothèque Humaniste das grenzüberschreitende Kolloquium mit Vorträgen in Schlettstadt / Séléstat.


Nach der Begrüßung durch durch Philippe Edel, Vizepräsident der Fédération des Sociétés d’histoire et d’archéologie d’Alsace und Gabriel Braeuner, Präsident der Amis de la Bibliothèque Humaniste sowie eines kurzen Berichtets des Comité trinational zur aktuellen Situation des Netzwerks Geschichtsvereine standen verschiedene Referate auf dem Programm.

Pantxika de Paepe, Colmar:
Martin Schongauer, Mythos und Realität

Dr. Hanns Hubach, Hassloch:
Vom Nutzen „alter Tapetzereien“. Bildteppiche als historische Beglaubigungsmedien in Spätmittelalter und Früher Neuzeit.

Dr. Phil. Ueli Dill, Basel:
Eine Anhandlung zur Geschichte Schlettstadts von 1527 – Beatus Rhenanus auf dem Weg zu den Rerum Germanicarum libri tres

Eugen Hillenbrand
„Die papierene Sache“. Der oberrheinische Buchdruckerr Kilian Fischer in Berufsnöten

Dr. Phil. Thomas Hufschmid, Basel
Basler Archäologie in der Spätrenaissance – die Forschungen von Basilius Amerbach (1533-1591) im Römischen Theater von Augst

Jean Paul Sorg:
Frankreich und Deutschland im Leben und Gedanke Albert Schweitzer

 

Die Tagung fand in der neu gestalteten Humanistenbibliothek statt. Sie zählt zu den größten Sehenswürdigkeiten des Elsass und ist bei der UNESCO als Weltdokumentenerbe gelistet.

Die Vollversammlung fand statt am Samstag, 9. Juni 2018 im Koifhus in Colmar. Anwesend waren 40 Personen aus den drei Ländern.

Begrüßung und Berichte:

Zur Begrüßung sprachen Dominique Grunenwald (Conseiller municipal délégué, in Vertretung des Maire von Colmar, Präsident der Société d’histoire et d’archéologie in Colmar) und Jean-Georges Guth (Präsident der Fédération des Sociétés d’Histoire et d’Archéologie d’Alsace) sowie Gabriel Braeuner für das Comité trinational des Netzwerks Geschichtsvereine und für die Fédération des Sociétés d’histoire et d’Archéologie d’Alsace. Alle 3 Sprecher hoben die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Geschichtsvereine hervor, die vom Netzwerk betrieben wird.

Für das Comité trinational gab zunächst Gabriel Braeuner einen allgemeinen Rückblick auf die Entwicklung und die Bedeutung des Netzwerks Geschichtsvereine. Danach trug Dominik Wunderlin den von ihm und Johanna Regnath verfassten Rückblick auf die Arbeit des Comité in den vergangenen beiden Jahren seit der Vollversammlung in Speyer vor. Abschließend berichtete Markus Moehring, Leiter des Dreiländermuseums und „Geschäftsführer“ des Netzwerks Geschichtsvereine, über das das Projekt des Netzwerks Museen mit 30 Ausstellungen zur Zeitenwende 1918/19 und die Möglichkeiten, die es für die Geschichtsvereine bietet.

 

Neuwahl des Comité trinational

Das bisherige Comité stellte sich in unveränderter Zusammensetzung zur Wiederwahl für eine weitere zweijährige Amtsperiode zur Verfügung. Markus Moehring leitete den Wahlvorgang. Die Abstimmung ergab eine einstimmige Wiederwahl des gesamten Comité:

Für Frankreich: Gabriel Braeuner und Fancis Lichtlé
Für Deutschland: Dr. Johanna Regnath und Dr. Werner Transier
Für die Schweiz: Dominik Wunderlin und André Salvisberg.

Berichte von Geschichtsvereinen

Zwei Vereine berichteten Bericht über ihre Arbeit: Société jurassienne d’émulation (Damien Bregnard, Archivar am Archiv des Alten Bistums Basel) und der Arbeitskreis Regionalgeschichte Freiburg (Dr. Robert Neisen)

 

Weiteres Tagungsprogramm

Gabriel Braeuner berichtete über die unmittelbar bevorstehende Eröffnung der Humanistenbibliothek in Schlettstadt. Die Société d’histoire von Molsheim erläuterte mit Bildern die von ihr eindrücklich vorangetriebene Restaurierung des Kartäuserklosters. Nach dem gemeinsamen Mittagessen widmeten sich die Tagungsteilnehmern der Zeitenwende 1918/19 in zwei Museen: Chefkonservatorin Pantxika De Paepe erläuterte im Unterlinden-Museum den Konflikt um die Auslagerung des Isenheimer Altars nach München und seine Rückkehr nach Ende des Ersten Weltkrieges. Gabriel Braeuner und Anthony Fleischer gaben im Hansi-Museum einen differenzierten Bericht zur Bedeutung des bekannten Elsässer Malers.

Am Samstag, 14. Oktober 2017, lud das Comité trinational des Netzwerks Geschichtsvereine am Oberrhein in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein für Mittelbaden e. V. zum 4. Grenzüberschreitenden Geschichtskolloquium nach Offenburg ein.

Fünf Referate wurden vorgestellt, deren Themen in einem zeitlichen Raum angesiedelt waren, der sich von der Zeit der Reformation bis zu unseren Tagen erstreckt.

 

Reformation und Reformation am Oberrhein

Den Reigen der Referate eröffnete Peter Kunze (Weil am Rhein). Er gab einen Überblick über die damalige Sonderausstellung «Reformationen – Der große Umbruch am Oberrhein» im Dreiländermuseum.
In seinen Ausführungen ging Peter Kunze auch auf die Weltsicht Martin Luthers (1483 – 1546) ein. Luther trieb die Frage nach dem gnädigen Gott um; er konzentrierte sich auf Glaubensfragen. Dabei fühlte er sich allen Ängsten seiner Zeit ausgesetzt (Stichworte: Hexen, Juden, Antichrist).
Ein Bewusstsein für die künstlerischen und wissenschaftlichen Entwicklungen fehlte Luther dagegen. Peter Kunze wies auch darauf hin, dass sich Humanisten und Reformatoren zwar gegenseitig befruchteten, aber oft nicht wirklich verstanden.

 

 

Ein Zinngießer erinnert sich

 Im Zentrum des folgenden Referats «Les exiles confessionels d’Augustin Güntzer, calviniste alsacien dans la tourmente de la guerre de 30 ans» von Monique Debus-Kehr (Colmar) stand ein calvinistisch gesinnter Glaubensflüchtling in den Wirren des Dreissigjährigen Kriegs, der von 1618 bis 1648 dauerte. 
Augustin Güntzer wurde 1596 im elsässischen Obernai geboren und  erlernte den Beruf des Zinngießers. Nach Abschluss seiner Lehre begab er sich auf die traditionelle Wanderschaft der Handwerker durch mehrere Länder. Wieder zurück in der Heimat, hielt es ihn dort nicht allzu lange
und er begab sich auf eine zweite Wanderschaft. Nach seiner Rückkehr lebte er in Colmar, Strassburg und schliesslich – verarmt – bei Tochter und Schwiegersohn in Basel.
Die Gründe dafür, dass Güntzer, der in Colmar eine reiche Witwe heiratete, verarmte, sind zum einen darin zu suchen, dass sich in den unsicheren Kriegszeiten als Zinngießer schlecht Geld machen ließ. Zum andern liegen sie auch in den verschiedenen, den calvinistischen Überzeugungen Güntzers geschuldeten Umzügen. Sein Vermögen schwand nicht nur wegen der Transportkosten, sondern auch wegen der Summen, die er jeweils aufbringen musste, um das Bürgerrecht zu erwerben und sich in die Zunft einzukaufen. In Basel fehlte ihm dazu das Geld und so musste er sich als Zuckerbäcker und Wanderhändler durchschlagen. 
Wohl dem Bedürfnis, sich gegenüber seinen Kindern zu rechtfertigen, ist sein «Kleines Bichlin von meinem gantzen Leben» (2002 bei Böhlau erschienen) beiden Reisen, aber auch von seinen religiösen Auffassungen und seinem Glauben, die dazu führen, dass er am Rande der Gesellschaft lebte. Die Sprache, in der Augustin Güntzer schrieb, ist, wie Monique Debus-Kehr darlegte, ein Deutsch, in dem sich französische Einsprengsel finden. Was das Büchlein besonders interessant macht, ist der Umstand, dass darin ein Handwerker zu Wort kommt, der die Welt anders sieht als ein humanistisch gebildeter Reiseschriftsteller.

 

 

Das Elsässer Schulwesen im Zweiten Weltkrieg

Das Elsass sah sich in den letzten 150 Jahren mehrmals mit einem Wechsel
seiner nationalstaatlichen Zugehörigkeit konfrontiert. Diese hatte jeweils auch Folgen für das Schulsystem. Was das für die Jahre des Zweiten Weltkriegs bedeutete, war Thema des Vortrags «Die Umschulung der Elsässer zwischen 1940 und 1944 / 45» von Daniel Morgen (Colmar).
Morgen konnte sich dabei auf seine umfangreichen Untersuchung «Memoires retrouvées des enseignants alsaciens en Bade, des enseignants badoises en Alsace: Umschulung 1940 – 1945» (Documents Actua 2014) stützen.
Um den Schulunterricht im besetzten Elsass in ihrem Sinne umzugestalten, setzten die Nationalsozialisten beim Lehrkörper an. Fortan durften Priester und Nonnen nicht mehr unterrichten. Rund 700 Lehrer galten als unerwünscht und wurden ausgewiesen. Juden und frankophilen Beamten,
die vor dem Vormarsch der deutschen Truppen geflohen waren und nach dem Waffenstillstand aus dem unbesetzten Teil Frankreichs ins Elsass zurückkehren wollten, wurde dies verwehrt. Wer weiter unterrichten wollte, musste eine Erklärung unterschreiben, dass er oder sie die «Heimkehr» des Elsass ins «Reich» befürworte. Zudem mussten namentlich diejenigen Lehrkräfte, die während der Zugehörigkeit des Elsass zu Frankreich
ausgebildet worden waren, ein Praktikum machen oder Kurse belegen, zum Teil auch Parteischulen in Baden besuchen.
Daniel Morgen kommt aufgrund seiner Untersuchungen zum Schluss, dass dem Elsass als Folge der deutschen Maßnahmen nach 1940 rund 1000 Lehrkräfte fehlten. Zum Teil wurden darauf auch deutsche Lehrer ins Elsass geholt. Mit einigen von ihnen hat Morgen noch Interviews führen können. Zu ihnen gehörte auch eine Frau aus Baden, die kaum zwanzigjährig als Lehrerin in ein Elsässer Dorf geschickt wurde, in dem nur Französisch
gesprochen wurde und wo sie nicht sehr willkommen war. Daneben interviewte Morgen auch Elsässerinnen, die während der Nazizeit in Baden für den Schuldienst ausgebildet worden waren.

 

Chemie hinter verschlossenen Türen

Um die Basler Chemie und ihr zeitweise schwieriges Verhältnis zur deutschen chemischen Industrie ging es im Referat «Ungemütliche Nachbarn» von Mario König (Basel). Beim Stichwort «ungemütlich» denkt
man in Basel im Zusammenhang mit der chemischen Industrie fast schon unwillkürlich an die Nacht des 1. November 1986, als in Schweizerhalle ein Lagerhalle von Sandoz in Flammen aufging und das Löschwasser den Rhein verseuchte. Ungemütlich war das auch für unsere deutschen (und elsässischen) Nachbarn, die zudem noch viel zu spät alarmiert und
informiert wurden.
Nach dieser Rückblende auf die Sandoz-Katastrophe befasste sich König mit einem bisher kaum bekannten Kapitel der Industriegeschichte, in dem es für die Basler Chemie als Ganzes ungemütlich wurde.
Anfang des 20. Jahrhunderts lagen 80 Prozent des Weltmarkts für Anilinfarben in den Händen deutscher Chemiefabriken. Demgegenüber kamen die Basler Chemiefabriken immerhin auf beachtliche 10 Prozent. Der Erste Weltkrieg bedeutete auch für die Farbhersteller ein bedeutender
Einschnitt. Für die Deutschen war der Zugang zum Exportmarkt erschwert;
die Basler hätten in dieser Situation stark zulegen können, allerdings mangelte es ihnen am nötigen Rohstoff, den ihnen die deutschen Unternehmen nicht liefern mochten. Nach Ende des Kriegs drängte die deutsche Chemie wieder auf den Weltmarkt zurück, und es kam zu einem harten Preiskampf. Ab 1922 wurden wiederholt Geheimgespräche zwischen Vertretern der Basler und der deutschen Chemie geführt.
Dabei drohte man der Schweizer Seite mehrmals mit feindlichen Firmenübernahmen; diese gab sich in der Form konziliant, mochte aber nicht einfach klein beigeben. 1929 kam es schließlich zur Bildung eines internationalen Farbstoffkartells, mit dem der Zerfall der Preise verhindert werden sollte. Damit waren die deutschen Umarmungsversuche vorerst abgewehrt. Dies alles geschah hinter den Kulissen, ohne dass davon etwas in der Presse zu finden ist. Die Festschrift der BASF, deren Vertreter in den Verhandlungen eine wichtige Rolle spielten, widmet der Sache kein Wort. Mario König kennt diese Vorgänge denn auch nur, weil er Einsicht in Archive der Basler Chemie nehmen konnte.

Die Eisenbahn stößt an Grenzen

Als letzter Referent der Tagung kam Werner Transier (Speyer) zu Wort. Er
trug einen von ihm auf die erforderliche Kürze – die Referate sollten idealerweise jeweils 30 Minuten dauern – gebrachten Text Werner Schreiners (Neustadt an der Weinstrasse) vor, der wegen einer anderweitigen Verpflichtung (Tagung des ÖVWeltverbandes in Budapest) nicht am Offenburger Kolloquium teilnehmen konnte. Das Referat war unter dem Titel «Zur Geschichte des grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehrs
am Oberrhein» angekündet. Darin wurden – detail- und kenntnisreich
und bisweilen im Schnellzugstempo – fast 200 Jahre Eisenbahngeschichte abgehandelt. 
Dass die beiden Weltkriege dem grenzüberschreitenden Bahnverkehr nicht förderlich waren, versteht sich leider fast von selbst. So endet etwa die Eisenbahnlinie Freiburg – Colmar, die bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs die beiden Städte verband, auf deutscher Seite heute noch immer in Breisach, von wo man auf französischer Seite mit dem Bus weiterfahren muss. Ebenfalls nicht förderlich für den Regionalverkehr war, dass man längere Zeit das Hauptgewicht auf den Fernverkehr legte und den Nahverkehr vernachlässigte bzw. Linien stilllegte. Hier scheint allerdings ein gewisses Umdenken stattzufinden. 

Fazit und Ausblick

Die Tagung in Offenburg war wieder eine gute Gelegenheit, sich über die
Grenzen – auch die des eigenen Vereins oder der eigenen Gesellschaft – hinaus kennenzulernen und verschiedene Einblicke in die vielfältige Geschichte der Menschen am Oberrhein mit nach Hause zu nehmen.
Mit 76 Teilnehmenden war sie erfreulich gut besucht. Es zeigt sich offenbar, dass ein zentraler Tagungsort eine größere Akzeptanz findet als eine Zusammenkunft, die am Rand des doch in seiner Nord-Süd-Ausdehnung fast 300 km messenden Raumes stattfindet; zur Erinnerung: Der Netzwerk-Raum reicht von der Südpfalz bis zum Jura.
Die nächste Tagung des Netzwerks wird in zwei Jahren in Sélestat-Schlettstadt stattfinden. Dann ist dort die Bibliothèque Humaniste wieder für das Publikum geöffnet und wird sicher zentral ins Kolloquium eingebaut sein.

Die dritte Vollversammlung des Netzwerks Geschichtsvereine fand am 18. Juni 2016 in Speyer statt.

50 Vertreter von Geschichtsvereinen aus dem Netzwerk waren zu der vom Historischen Verein der Pfalz organisierten Vollversammlung in den historischen Ratssaal in Speyer gekommen.

Im Mittelpunkt stand die grenzüberschreitende Zusammenarbeit des Netzwerks. Ein besonderer Höhepunkt war der Vortrag von Prof. Dr. Pierre Monnet zum Thema: „Karl der Große 814 – 2016 – zwischen Geschichte und Erinnerung“.

Stadtführungen in Deutsch und Französisch durch das historische Speyer rundeten die
Vollversammlung am Nachmittag ab.

Am 24. Oktober 2015 fand in Liestal das grenzüberschreitende Kolloquium statt, zu dem das Netzwerk ebenfalls alle zwei Jahre einlädt. Tagungsort war der Ratssaal im Regierungsgebäude des Kantons Basel-Landschaft, Organisator die Gesellschaft für Regionale Kulturgeschichte Baselland und dort vor allem Dominik Wunderlin, Schweizer Mitglied im Comité trinational. Sechs Vorträge mit Referenten aus den drei Ländern beleuchteten Themen vom Oberrhein aus unterschiedlichen Epochen in einer grenzüberschreitenden Perspektive.

Einer der Vorträge beim grenzüberschreitenden Kolloquium in Liestal widmete sich der Warenhaus-Geschichte. Bernd Serger berichtete über seine Forschungen zur Warenhauskette Knopf mit insgesamt fast 80 Filialen und Partnergeschäften am Oberrhein und darüber hinaus vor dem Ersten Weltkrieg. Nach der Rückkehr zu Frankreich wurden die Warenhäuser der Familie Knopf in Elsass-Lothringen als „reichsdeutscher“ Besitz enteignet. In Deutschland verlor die jüdische Familie ihre Warenhäuser im Dritten Reich im Zuge der „Arisierung“. Nur in der Schweiz existierten Warenhäuser unter dem Namen Knopf noch bis 1978. Es existieren rund 30 große, ansprechend gestaltete Text-Bild-Tafeln von Herrn Serger zum Thema. Das Dreiländermuseum zeigt diese jetzt ergänzt um 500 Exponate aus der eigenen Sammlung in einer großen Ausstellung noch bis zum 1. Mai 2016.
Nach Lörrach präsentiert das Stadtmuseum in Karlsruhe die Ausstellung in veränderter Form. Auch andere Einrichtungen können die Texttafeln entleihen, sie stehen nur in deutscher Sprache zur Verfügung.

 

Die zweite Vollversammlung des Netzwerks Geschichtsvereine fand am Samstag, den 11. Oktober 2014 im Dreiländermuseum Lörrach statt.

Die Tagung, welche für Mitglieder aber auch historisch Interessierte offen war, beschäftigte sich an diesem Tag mit der Entwicklung und der Zukunft des Netzwerks und wählte das neue Comité trinational. Das Dreiländermuseum Lörrach bleibt Koordinationsstelle des Netzwerks.

2013 trafen sich Mitglieder der Geschichtsvereine aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz sowie an Geschichte Interessierte zum grenzüberschreitenden Kolloquium mit interessanten Vorträgen.

Die Gründungsversammlung des „Drei-Länder-Netzwerk Geschichtsvereine“ fand am 16. Juni 2012 im ehemaligen Zisterzienserkloster Lucelle (Lützel) im französischen Sundgau statt.

Ab 2003 entwickelte sich rund um das Dreiländereck bei Basel eine regionale Zusammenarbeit von Geschichtsvereinen. 2003 trafen sich erstmals Geschichtsvereine vom südlichen Oberrhein im Museum in Lörrach (D). Anlass war die Neuausrichtung des damaligen Museums am Burghof mit der Eröffnung der permanenten Dreiländer-Ausstellung ein Jahr zuvor. Es folgten gemeinsame Tagungen 2005 in Liestal (CH) und 2008 in Oberrotweil (D) und Marckolsheim (F).

Diese regionale Zusammenarbeit wurde zum Vorbild für ein Netzwerk, welches das gesamte Mandatsgebiet der Oberrheinkonferenz umfasst und 2012 im Rahmen des INTERREG-Projektes „Dreiländermuseum – trinationales Netzwerk für Geschichte und Kultur“ gegründet wurde.