Die Sammlung

Sammlungsschwerpunkte

Mit über 60 000 Objekten bewahrt das Dreiländermuseum die bedeutendste kulturhistorische und trinationale Sammlung der Region zwischen Breisgau und Bodensee. Neben den Schwerpunkten Regional- und Dreiländergeschichte, südbadische Kunst und Kunstkeramik ist das Museum auch literarische Gedenkstätte zu Johann Peter Hebel. Nur etwa fünf Prozent der Sammlungen sind in der Dauerausstellung ausgestellt, der Großteil wird im Depot gelagert, wissenschaftlich erforscht und ggf. restauriert.

Dreiländergeschichte

Die Objekte der Sammlung erzählen die wechselvolle Geschichte der Grenzregion Deutschland, Frankreich und Schweiz aus der jeweiligen Ländersicht.

Über teils aufwändige Recherchen und gezielte Ankäufe im Elsass und der Nordwestschweiz wird der trinationale Charakter der über ein Jahrhundert gewachsenen Sammlung immer stärker ausgebaut.

Der Großteil der Originalfunde von Burg Rötteln wird im Dreiländermuseum aufbewahrt. Die Gegenstände geben Einblicke in das Leben auf der Burg vom Hochmittelalter bis ins 17. Jahrhundert: Ofenkacheln, Gläser, Geschirrfragmente, Werkzeuge, Waffenteile, Pfeifen, eine Schachfigur, ein Richtschwert mit Richtertisch, Folterwerkzeuge.

Das Haus beherbergt eine beeindruckende Sammlung zur Revolution von 1848 im badischen Oberland. Neben Gewehren, Fahnen, Trommeln, einem echten „Revoluzzer-Hemd“ oder dem Spazierstock des legendären Revolutionärs Friedrich Hecker sind es vor allem die vielen Druckgraphiken, z.B. Karikaturen, Flugblätter, Zeitungen, die von der ‚bewegten Zeit’ erzählen, in der Lörrach kurz eine Hauptrolle spielte.

Hier wird vor allem die politische Geschichte des Großherzogtums Baden und des Reichslandes Elsass-Lothringen zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches vorgestellt sowie die zeitgleichen Entwicklungen in der Nordwest-Schweiz.

Hierzu zählen rund 200 Plakate, darunter viele deutsche und französische Propagandaplakate und bitterböse Karikaturen u.a. der elsässischen Künstler Henri Zislin und ‚Hansi’ alias Jean-Jacques Waltz, Bild- und Feldpostkarten sowie Originale aus dem Schützengraben, z.B. ein Brustpanzer mit Stahlhelm vom Hartmannsweilerkopf im Elsass.

In der Sammlung zum Nationalsozialismus befinden sich rund 350 Plakate aus Baden und dem Elsass, z.B. NS-Propagandaplakate, NS-Wochensprüche und NS-Plakate zur Betriebsführung, einige hundert Abzeichen des Winterhilfswerkes sowie viele Alltagsobjekte, in denen sich die NS-Ideologie manifestiert.

Die Sammlung zur Nachkriegszeit dokumentiert die Zeit der tiefsten Zäsur zwischen den drei Ländern. Sie beinhaltet Objekte zu den Themen:

  • Alltagsnot
  • Flüchtlinge
  • Entnazifizierung
  • Besatzungszeit
  • Nachbarschaftshilfe
  • Erfindungen aus der Not, z.B. Lebensmittelmarken, Schuhe aus Autoreifen, Carepaket, Flüchtlingskoffer

Die Sammlung zum Thema Grenze und Schmuggel zeigt, wie das Leben im Dreiländereck in der Vergangenheit und der Gegenwart von den Grenzen bestimmt wurde und wird: Neben Grenz- und Schmuggelgeschichten sind dies Grenzformulare, Grenzsteine, Grenzzäune, Grenzschilder, beschlagnahmte Schmuggelware …

Das Wiesental ist eines der Zentren der deutschen Textilindustrie und Lörrachs Stadtentwicklung ist unmittelbar damit verbunden.

In der Sammlung zur Industrialisierung der Stadt Lörrach befinden sich Objekte zur Geschichte der einst größten Stoffdruckerei Europas (KBC-Koechlin-Baumgartner & Cie.) und zur Schokoladenherstellung (Suchard). Weitere Firmen: GABA, Raymond, Lauffenmühle, Schöpflin Haagen. Die Sammlung wird laufend trinational ergänzt.

Kunst

Rund 10.000 Objekte zählt die Sammlung von Gemälden, Graphiken und Plastiken, die überwiegend aus Südbaden stammen.

Zu den Besonderheiten gehören rund 200 expressionistische Druckgraphiken aus Frankreich und Deutschland (u.a. Max Beckmann, Wassily Kandinsky, Otto Dix, Käthe Kollwitz, Erich Heckel). Sie gehören zur Stiftung „Cohen-Umbach-Vogts“, einer im Dritten Reich zerstörten Sammlung (sogenannte entartete Kunst) eines jüdischen Kunsthändlers, die in Lörrach wieder aufgebaut wurde.

In der kunst- und kulturhistorisch bedeutenden „Keller-Sammlung“ befinden sich Werke aus dem ehemaligen Stift Säckingen, der Kommende Beuggen und der Propstei Bürgeln. Es sind vor allem Porträts hochrangiger Persönlichkeiten aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Das Dreiländermuseum unterhält auch eine bedeutende Sammlung südbadischer Malerei. Von zahlreichen bekannten Künstlern der Region sind Werke vorhanden:

  • August Babberger
  • Hermann Burte-Strübe
  • Hermann Daur
  • Eugen Feger
  • Karl Gerstner
  • Adolf Glattacker
  • Paul Ibenthaler
  • Friedrich Kaiser
  • Rudolf Kreuter
  • Adolf Riedlin
  • Hermann Scherer
  • Arthur Schmidt
  • Alban Spitz
  • Adolf Strübe
  • Hans Thoma
  • Walter Wohlschlegel
  • Eugen Zimmermann

Die Kunstkeramiksammlung (u.a. Werke von Richard Bampi, Horst Kerstan) umfasst rund 1000 Objekte. Darunter befindet sich die größte öffentliche Sammlung mit Werken von Max Leuger, dem bedeutendsten deutschen Keramiker des Jugendstils.

Religiöse Kunst bildete schon früh einen wichtigen Grundstock der Sammlung. Hierzu zählen einige spätgotische Skulpturen vor allem aus den Kirchen der Umgebung, die von Meistern vom Oberrhein, aus Schwaben, vom Bodensee und dem Sundgau stammen. Im Bereich der Modernen Plastik sind u.a. Werke von Rudolf Scheurer vertreten.

Johann Peter Hebel-Sammlung

Nur wenige persönliche Dokumente von Johann Peter Hebel sind erhalten. Umso mehr hat es sich das Dreiländermuseum zur Aufgabe gemacht all das zu sammeln, was sein Leben und Werk und die Rezeption des vielseitigen Wirkens des Schriftstellers, Kirchenmanns und Pädagogen betrifft.

Mehr als 1000 Bände mit Literatur von und über Hebel, darunter einige Erstausgaben seiner wichtigen Werke, und Werke anderer alemannischer Dichter, zahlreiche Illustrationen zu Hebels Dichtung, wie von dem Lörracher Künstler Adolf Glattacker, und einige wenige persönliche Gegenstände, wie ein Lehnstuhl, eine Brieftasche aus seinem Besitz und Originalbriefe, finden sich darunter.

Innerhalb des Netzwerks der literarischen Gedenkstätten des Landes Baden-Württemberg widmet sich das Dreiländermuseum dem alemannischen Dichter Johann Peter Hebel (1760-1826). Dieser wohnte und arbeitete als Präzeptoratsvikar von 1783-1791 im heutigen Museumsgebäude, dem einstigen Pädagogium. Eine Gedenktafel an der Außenwand erinnert heute daran. Hebel unterrichtete im Lörracher Pädagogium Latein, Griechisch, Geschichte, Geometrie, Deutsch, Erdkunde und Religion. Es diente vor allem zur Vorbereitung auf die Gymnasialstufe.
Nach Hebels eigenen Worten waren die Lörracher Jahre die schönsten seines Lebens. Hier knüpfte er tiefe Freundschaften, die weit über seine Lörracher Zeit hinaus gingen. Auch seine langjährige Freundin Gustave Fecht lernte er im Pädagogium kennen.

Das Rasengrundstück zwischen Museum, Margaretenheim und dem Arbeitsgericht heißt „Johann Peter Hebel-Mätteli“. Vertreter des 2010 gegründeten Vereins „250 Jahre Johann Peter Hebel“, veranstalteten am 10.7.2010 einen grenzüberschreitenden Spaziergang von Basel zum Dreiländermuseum. Auf eigene Kosten ließ der Verein ein Schild anfertigen, das den offiziellen Straßenschildern Basels entspricht, und an der Mauer vor der Wiese anbringen. Johann Peter Hebel wird hier als Grenzgänger zwischen Basel und Hausen und als Symbol der grenzüberschreitenden Verständigung gewürdigt.

Das Dreiländermuseum ist Veranstaltungsort der Reihe ‚Literarische Begegnungen‘ des Hebelbunds Lörrach: www.hebelbund.de

Er war Lehrer, Schriftsteller, Theologe, Naturkundler, Aufklärer und Humanist. Vielerorts erinnern Gedenkstätten an ihn, dokumentieren Museen sein Leben und Schaffen. Das Dreiländermuseum hat ein ganz besonderes Verhältnis zu Johann Peter Hebel. Denn in dem Gebäude, das heute das Museum beherbergt, arbeitete Hebel von 1783 bis 1791 als Präzeptoratsvikar (Hilfslehrer). Damals war in dem ursprünglich als Tabakfabrik errichteten Gebäude das Pädagogium untergebracht, eine Schule, die auf das Gymnasium vorbereitete. Hebel unterrichtete nicht nur an der Schule, er wohnte auch im gleichen Gebäude.

Das Museum hat sich die Erinnerung an Hebel zur Aufgabe gemacht. Die Hebel-Sammlung beinhaltet persönliche Gegenstände, Erstausgaben seiner wichtigsten Werke, Illustrationen zu Dichtungen von Hebel und Originalbriefe.

Vita

Hebel wurde am 10. Mai 1760 in Basel geboren. Seine Eltern arbeiteten in den Sommermonaten als Magd und als Offiziersbursche bei der vermögenden Basler Familie Iselin-Rhyhiner, im Winter lebten sie in Hausen im Wiesental, dem Heimatort seiner Mutter Ursula. Hebels Vater Jakob starb 1761 vermutlich an Typhus.

Im Sommer besuchte Hebel als Kind die Gemeindeschule in Basel, ab 1772 das Gymnasium am Münsterplatz. Im Winter, wenn die Familie in Hausen wohnte, besuchte er zunächst die Volksschule in Hausen, ab 1769 die Lateinschule in Schopfheim.

Nach dem Tod der Mutter im Jahr 1773 kam Hebel an das traditionsreiche Gymnasium illustre in Karlsruhe. Hebel war ein sehr guter Schüler, im Jahr 1778 schloss er das Gymnasium ab und begann ein Theologiestudium in Erlangen. Nach dem Studium unterrichtete er drei Jahre als Hauslehrer die beiden Töchter des Pfarrers Philipp Jakob Schlotterbeck in Hertingen. In dieser Zeit ordinierte Hebel und half beim Austeilen des Abendmahls. Im Jahr 1783 kam er als Hilfslehrer zum Pädagogium nach Lörrach, wo er Latein, Geschichte, Geometrie, Deutsch, Arithmetik und Erdkunde unterrichtete.

Im Jahr 1791 verließ Hebel Lörrach, um als Subdiakon am Karlsruher Gymnasium zu arbeiten. Auch als Hofprediger betätigte er sich in dieser Zeit. 1808 wurde Hebel Direktor des Karlsruher Gymnasiums. Im Jahr 1826 erlag Hebel einem Darmkrebsleiden.

Hebels Dichtung

Die „Alemannischen Gedichte“ begann Hebel nach einem Besuch seiner Wiesentäler Heimat zu schreiben. 1803 erschien die Erstausgabe mit 32 Gedichten mit Lebensweisheiten und Antworten auf Fragen, die die Menschen beschäftigten. Im Gedicht „Die Vergänglichkeit“ setzte er sich mit Sterben und Tod auseinander und verarbeitete darin den Tod seiner Mutter. Diese starb auf dem Weg von Basel nach Hausen auf einem Wagen zwischen Brombach und Steinen. Sein berühmtester Leser war wohl Johann Wolfgang von Goethe, der die in alemannischem Dialekt geschriebenen Gedichte sehr schätzte.

Mit seinen Kalendergeschichten wollte Hebel seinen Lesern sowohl Nützliches als auch Unterhaltendes vermitteln. Lehrreiche Geschichten und naturkundliche Beiträge waren ebenso dabei wie unterhaltsame Geschichten und Anekdoten. Hebel verfasste die Kalendergeschichten zunächst für den Badischen Landkalender und später für den „Rheinländischen Hausfreund“, der ein Nachfolger des Landeskalenders war.

Ihre Ansprechpartnerin rund um die Sammlung:

Ulrike Konrad stellv. Museumsleiterin

+49 7621 415-154

u.konrad@loerrach.de

Digitale Sammlung

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Weitere Sammlungen zur Dreiländergeschichte

Historisches Museum der Pfalz
Speyer

Badisches Landesmuseum
Karlsruhe